Sonntag, 20. Mai 2012
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Jubel und Tränen um Daniel
Donnerstag, den 21. August 2008 um 15:50 Uhr    PDF Drucken E-Mail

alt alt Medaillen-Traum für Daniel Manz geplatzt - Familie und Fans fiebern mit.

Der Krimi dauerte von morgens um fünf bis nachmittags um zwei - aber alles Daumendrücken für Daniel Manz nützte nichts. Beim entscheidenden Kampf um 13.30 Uhr (Ortszeit Friedrichshafen) verlor der Häfler Taekwondo-Kämpfer mit 3:4 - aus der Traum von der Olympia-Medaille für den 20-Jährigen.

Gestern war für Daniel Manz der ganz große Tag endlich gekommen. Sein Auftritt bei den Olympischen Spielen stand an. Und zwar um 5.45 Uhr morgens. Logisch, dass seine Verwandten, Freunde und Sportkameraden die Nacht zum Tage machten, um ihrem Idol von Anfang an nahe sein zu können.

Nach Daniels drittem Kampf jubeln seine Mutter Martina Manz (Mitte) und seine Freunde und Fans. Am Ende wird Daniel Fünfter.

Kurz nach 5 Uhr: Draußen ist es stockdunkel, im Hause Manz in der Eugenstraße herrscht Hochbetrieb. Hier haben sich alle versammelt, die mit Daniel mitfiebern. Allen voran seine Mutter Martina Manz, die eine große Fangemeinde begrüßen darf. Am Balkon weht die Deutschland- und die Olympiafahne.

Die Stimmung ist gut, das Herz rast und die Hände beginnen schweißnass zu werden. Um 5.45 Uhr tritt Daniel in seinem ersten Kampf in der Klasse bis 68 Kilo gegen den Kirgisen Rasul Abdurain an. Noch ist also Zeit, um ein wenig zu plaudern. Martina Manz erzählt davon, dass ihr Sohn schon früh vom Taekwondo-Virus infiziert wurde und dass er bereits mit 13 Jahren den Weg von seiner damaligen Heimat Krumbach bei Augsburg nach Friedrichshafen gefunden hat, um bei Markus Kohlöffel professionell trainieren zu können. Dass Kohlöffel der "beste Trainer, den es gibt" ist, darin sind sich auch Amely, Sara, Alissa, Erik, Alberto, Daniela, Helene, Christine und Ramona einig.

Jetzt ist es 5.45 Uhr. In der ARD läuft Beachvolleyball - ohne deutsche Beteiligung. Zum Glück gibt es das Internet - per Livestream verfolgen Mama Manz und Daniels Fans den Kampf. Daniel zeigt von Beginn an mehr Initiative, bekommt aber von der Schiedsrichterin keine Wertung zugesprochen. Bei den Fans liegen die Nerven blank. "Jetzt!", "Nein, wieder nichts." Martina Manz hält es nicht mehr vor dem PC, sie "flüchtet" auf den Balkon. Endlich: Drei Sekunden vor Schluss gelingt ihm die entscheidende Wertung. Unglaubliche Jubelszenen spielen sich im heimatlichen Wohnzimmer ab. Martina Manz freut sich zusammen mit ihrem Mann Dietmar, der sich direkt aus Peking meldet.

Dann folgen Stunden des bangen Wartens. Um 10.30 Uhr steht Daniels zweiter Kampf an: gegen Weltmeister Marc Lopez aus den USA. Wieder versammeln sich alle vor dem PC, wieder wird der Wettkampf nicht live im Fernsehen übertragen. Mama Manz hält es nicht mehr auf ihrem Stuhl - und am Ende verliert Daniel knapp gegen den Amerikaner. Doch eine besondere Regelung im Taekwando-Sport macht es möglich, dass trotz dieser Niederlage noch die Bronze-Medaille für Daniel zu holen ist. Dazu muss er nur noch zweimal in der so genannten "Trostrunde" gewinnen. Wieder müssen alle warten - die Zeit, bis um 11.30 Uhr Daniels nächster Kampf beginnt, dehnt sich wie Kaugummi. Dann ist es endlich so weit: In letzter Minute schafft er es, seinen Gegner zu schlagen - seine Fans jubeln, schwenken Deutschlandfahnen. "Jetzt schafft er sie vielleicht doch noch, die Bronze-Medaille", freut sich seine Mutter Martina. Doch wieder dauert es eine lange Stunde, bis Daniel zum entscheidenden Wettkampf antritt: Yu-Chi Sung aus Taiwan heißt sein Gegner und dieses Mal geht es in Peking um Bronze.

BILD: USA Daniel Bild: dpa Taekwondo-Kämpfer Daniel Manz in Peking

Im Manzschen Wohnzimmer wird es mucksmäuschenstill. Alle starren gespannt auf die Bildschirme, drücken Daumen und senden Stoßgebete gen Himmel. Martina Manz hält die Spannung fast nicht aus. "Noch zwanzig Sekunden", ruft Alissa, doch Daniel liegt einen Punkt zurück. "Du schaffst das", flüstert seine Mutter. Aber dann ist das Drama zu Ende. Daniel verliert mit 3:4 -die Medaillenhoffnung ist geplatzt. "Jetzt ist er sicher furchtbar enttäuscht", sagt Martina Manz und muss selbst mit den Tränen kämpfen, ihre Freundin nimmt sie in den Arm. "Aber er hat toll gekämpft. Ich bin so stolz auf ihn", sagt sie, öffnet eine Flasche Prosecco und stößt mit Daniels Fans an - auf Olympia.

Den ganzen Zag über brennt eine Kerze für Daniel.

Text und Bilder VON WILFRIED GEISELHART UND KERSTIN MOMMSEN Suedkurier